(DE) Marta, Hanna und Ruth Herzog

česky

Der Nachname Herzog gehört fest zur jüdischen Gemeinde von Miroslav. Wir wissen, dass im Jahr 1825 vier Familien dieses Namens im Ghetto lebten. Die enge Verbindung der Familie Herzog mit Miroslav zeigt sich auch auf dem jüdischen Friedhof, wo etwa dreißig von ihnen begraben sind. Es ist der am häufigsten vertretene Nachname.

Das Haus Nummer 22 in der Kostelní Straße wurde von Heinrich und Fanny Herzog im Juli 1888 erworben. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie bereits einen einjährigen Sohn Julius. Laut der Volkszählung vom Februar 1921 lebten alle drei in diesem Haus und waren deutschsprachig.

Im August 1924, also vor einhundert Jahren, heiratete in Prag Julius Marta, geborene Weinberger, die aus einer tschechischsprachigen Familie stammte. Die Braut folgte ihrem Mann nach Miroslav. Es ist möglich, dass sie sich durch Regina Strauss (1877), geborene Pollak aus Skalice, kennen gelernt haben. Regina war die direkte Cousine von Marta. Ihre Mutter Charlotte (1848) war die ältere Schwester von Martas Vater Mark (1859).

Im September 1925 wurde Hanna, die Tochter von Marta und Julius Herzog, geboren. Zwischen 1931 und 1936 besuchte sie die deutsche Volksschule, die sich gegenüber der katholischen Kirche befand. Heutzutage dient das Gebäude als Freizeitzentrum. Von 1936 bis 1938 war Hanna Schülerin der tschechischen Bürgerschule, die sich im heutigen Hauptgebäude der Schule befand. Heutige Kinder können also beide Gebäude besuchen, wohin Hanna zur Schule ging.

In der Zwischenzeit gab es weitere Ereignisse in der Familie Herzog. Im November 1926 starb die Mutter von Julius, Fanny Herzog. Im Januar 1927 bekam das Paar sein zweites Kind, den Sohn Otto. Im Sommer 1930 verunglückte er jedoch und starb im Kinderkrankenhaus in Brünn an den Folgen von Tetanus. Er war drei Jahre alt. Im Dezember 1930, bei der nächsten Volkszählung, lebten also Großvater Heinrich, Vater Julius, Mutter Marta und Tochter Hanna im Haus.

Im Januar 1932 kam die zweite Tochter, Ruth, zur Welt. Sechs Monate später, im Juli, starb ihr Vater Julius im Alter von 45 Jahren. Im Mai 1936 folgte ihm Großvater Heinrich nach. Alle vier verstorbenen Familienmitglieder, also die Großeltern Heinrich und Fanny, Vater Julius und Sohn Otto, sind auf dem jüdischen Friedhof in Miroslav begraben. Ihre Gräber können besichtigt werden.

Marta blieb mit ihren zwei Töchtern allein. Im September 1938 trat Ruth die erste Klasse der tschechischen Volksschule ein. Zu ihren Klassenkameraden gehörten andere jüdische Mädchen, Frida Winkler und ihre Cousinen Doris und Margit Eisner. Alle vier Schülerinnen waren 1932 geboren. Nur Frida überlebte die Shoah.

Ende September 1938 wurde das Münchner Abkommen unterzeichnet. Es stellte eine große Gefahr für die Juden in den Grenzgebieten dar. Anfang Oktober flohen Marta und ihre Töchter zunächst nach Brünn und noch vor Jahresende nach Prag, wo Martas vier Schwestern lebten.

Marta bemühte sich, wie viele andere tschechoslowakische Juden, nach Palästina auszuwandern. Sie ließ für sich und ihre Töchter Passfotos machen, deshalb wissen wir, wie sie aussahen, und beantragte Pässe. Marta hatte vor, eine gefährliche Reise von Bratislava (Pressburg) die Donau entlang bis zum Schwarzen Meer und dann zum Mittelmeer, anzutreten. Dieser Plan scheiterte jedoch, wie bei den meisten anderen auch.

Wir wissen nicht, wie es den Herzogs in den vier Jahren in Prag ergangen ist, die sie dort verbrachten. Wahrscheinlich gingen die Töchter zur Schule. Allerdings wurden jüdische Kinder bereits im Juli 1939 von Schulen mit deutscher Unterrichtssprache ausgeschlossen. Ein Jahr später, im August 1940, wurden sie auch aus Schulen mit tschechischer Unterrichtssprache ausgeschlossen. Im Protektorat blieben nur drei Schulen übrig, die jüdische Kinder besuchen durften: die jüdische Schule in der Jáchymova-Straße in Prag, die jüdische Schule in Moravská Ostrava und das jüdische Gymnasium in Brünn. Ob Hanna und Ruth die Schule in der Jáchymova-Straße besuchten, ist nicht bekannt. Das Interesse an dieser Schule war groß. Es war die einzige Möglichkeit für jüdische Kinder in Böhmen, am Unterricht teilzunehmen.

Auch diese letzten jüdischen Schulen wurden im Juli 1942 geschlossen. Der weitere Unterricht für jüdische Kinder wurde nur in illegaler Form fortgesetzt. In diesem Zusammenhang ist es sehr gut, dass sich für diese Stolpersteinverlegung SchülerInnen und LehrerInnen der Schule in Miroslav einsetzten, die Hanna vor ihrer Flucht aus dem Grenzgebiet noch ungehindert besuchen durfte.

Marta, Hanna und Ruth wurden im Dezember 1942 in Theresienstadt interniert. Im September 1943 wurden sie zusammen mit 5.000 anderen Theresienstädter Häftlingen nach Auschwitz deportiert und im sogenannten Theresienstädter Familienlager untergebracht. Innerhalb von sechs Monaten starben etwa 1 200 der ursprünglich fünftausend Häftlinge. Bis auf einige Dutzend Menschen wurden die restlichen 3 800 Häftlinge in der Nacht vom 8. - 9. März 1944, also vor genau 80 Jahren, in den Gaskammern ermordet. Das war das Ende von Marta, Hanna und Ruths Leben. Seit 2018 wird der Tag des Gedenkens an die Opfer der Vernichtung des Theresienstädter Familienlagers in der Tschechischen Republik als bedeutender Tag begangen.

Martas unverheiratete Schwester Gabriela und die verheirateten Schwestern Alžběta und Vilma und ihre Familien wurden ebenfalls Opfer der Shoah. Insgesamt waren es Martas elf nahe Verwandte. Von den fünf Schwestern überlebte Shoa nur Martas unverheiratete Schwester Hermína.

Quelle

  • Marta Herzog, geb. Weinberger (13. 10. 1898 Waltsch, Bezirk Karlsbad - 1943/44 Auschwitz) - ITI - PT
  • Hana Herzog (23. 9. 1925 Miroslav - 1943/44 Auschwitz) - ITI - PT
  • Ruth Herzog (9. 1. 1932 Miroslav - 1943/44 Auschwitz) - ITI - PT
  • Kirchenstrasse 203/22 (früher 145/18) - SL1921
  • Transport Ck, 22. 12. 1942, Praha → Terezín, 1000 - ITI - YV
  • Transport Dm, 6. 9. 1943, Terezín → Osvětim, 2528 - ITI -YV

Stolpersteine wurden am Samstag 9. März 2024, Misslitz, Kirchenstrasse 203/22 gelegt.

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